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So schützen Sie Ihr Zuhause

Die Hälfte aller Einbrüche ereignet sich am helllichten Tag – so schützen Sie sich von Anfang an!

Andreas Meyer

Andreas Mayer: Geschäftsführer der Zentralen Geschäftsstelle Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Laut Informationen der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes sind die Einbruchszahlen in den letzten fünf Jahren deutlich angestiegen – positiverweise aber auch die Zahl misslungener Einbruchsversuche. Diese Entwicklung ist nicht zuletzt auf die aktive Sensibilisierung der Öffentlichkeit für den Einbruchsschutz zurückzuführen – ein Thema, das sowohl Häuslebauer als auch Hausbesitzer, die sich bislang nie mit diesem so wichtigen Thema auseinandergesetzt haben, gleichermaßen beschäftigen sollte.

Grund genug für Exzellent Massivhaus, der Zentralen Geschäftsstelle der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes einige Fragen zu diesem spannenden und schwerwiegenden Thema zu stellen. Herr Andreas Mayer, Kriminaldirektor, war so freundlich, uns und Ihnen einige Minuten seiner Zeit zu schenken.

Interview mit Andreas Mayer, Kriminaldirektor – Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Bereits beim Hausbau macht es durchaus Sinn, sich auch gleich über einen entsprechenden Schutz vor Einbrüchen Gedanken zu machen. Was sind die typischen Schwachstellen eines Hauses, die Einbrecher bevorzugt als Zugang nutzen?

„Einbrüche in Einfamilienhäuser erfolgen meist über die Fenstertüren und Fenster und weniger häufig über Haustüren und Keller.

Bei Mehrfamilienhäusern hingegen wählen Einbrecher ihren Weg zumeist über die Wohnungseingangstüren; doch auch hier verschaffen sie sich über leicht erreichbare Fenster und Fenstertüren Zutritt. Gekippte Fenster, nicht abgeschlossene Wohnungstüren, „Einstiegshilfen“ wie Mülltonnen oder Leitern machen es den Dieben leicht, einzudringen!

Es kommt aber letztlich immer auf die individuelle Situation vor Ort an. Auch beispielsweise eine Nebeneingangstüre gilt es, unbedingt zu sichern. Lassen Sie sich deshalb am besten persönlich bei einer (Kriminal-) Polizeilichen Beratungsstelle kostenlos beraten. Ihre nächstgelegene Beratungsstelle der Polizei finden Sie über die Beratungsstellensuche der Polizeilichen Kriminalprävention unter www.k-einbruch.de.“

Inzwischen werden zahlreiche Produkte verkauft, die dem Einbrecher signalisieren sollen: ‚Achtung, hier ist jemand zu Hause!‘. Zeitschaltuhren, TV-Simulatoren – die Menschen fühlen sich sicherer, doch genügen diese Geräte, um sich wirklich effektiv vor Einbrüchen zu schützen?

„Erfahrungsgemäß erreicht man erst durch ein aufeinander abgestimmtes Zusammenwirken von mechanischer und elektronischer Sicherungstechnik, richtigem Verhalten und personellen und organisatorischen Maßnahmen einen guten Einbruchschutz. Auch eine gute Nachbarschaft wirkt. Ein überquellender Briefkasten leert sich schließlich nicht von alleine.

Ausführliche Informationen und Tipps hierzu erhalten Sie ebenfalls über die Webseite der Einbruchschutzkampagne K-EINBRUCH der Polizei und Kooperationspartnern aus der Wirtschaft.

Die wichtigsten Verhaltenstipps der Polizei lauten:

✔ Wenn Sie Ihr Haus verlassen – auch nur für kurze Zeit – schließen Sie unbedingt Ihre Haustür ab!
✔ Verschließen Sie immer Fenster, Balkon- und Terrassentüren. Denken Sie daran: Gekippte Fenster sind offene Fenster!
✔ Verstecken Sie Ihren Schlüssel niemals draußen. Einbrecher finden jedes Versteck!
✔ Wenn Sie Ihren Schlüssel verlieren, wechseln Sie den Schließzylinder aus!
✔ Achten Sie auf Fremde in Ihrer Wohnanlage oder auf dem Nachbargrundstück!
✔ Geben Sie keine Hinweise auf Ihre Abwesenheit, auch nicht in einem Abwesenheitsassistenten des E-Mail-Postfachs oder via Facebook-Profil!“

Wertvolle Tipps also, die recht einfach umzusetzen sind. Und was ist dran an gängigen Meinungen wie ‚Die meisten Einbrüche finden im Schutz der Dunkelheit statt!‘, ‚Einbrecher halten sich an Erdgeschosswohnungen!‘ oder ‚Ich brauche nur das Rollo zu schließen und niemand merkt, dass ich verreist bin!‘?

„Tatsächlich finden Einbrüche sehr häufig am Tag und nicht in der Nacht statt, zum Beispiel während der Schul-, Arbeits- oder Einkaufszeit – also immer dann, wenn der Bewohner kurz abwesend ist. Auch der frühe Abend und Wochenenden bieten sich an, sodass knapp die Hälfte aller Wohnungseinbrüche (genauer gesagt: 43,3 %) am Tag begangen werden. Vermutlich liegt der prozentuale Anteil noch höher, denn die genaue Tatzeit ist nicht immer feststellbar – z. B. bei urlaubsbedingter Abwesenheit der Wohnungsinhaber.

Ein dauerhaft verschlossener Rollo gibt u. U. einen Hinweis auf Abwesenheit. Und der Einstieg auf Erdgeschossebene ist nur eine Möglichkeit für einen Einbrecher.“

Wenn Sie an eigenes Eigentum denken, welcher Einbruchschutz – speziell in Bezug auf Fenster und Türen – ist Ihnen persönlich besonders wichtig? Was sollte Ihrer Meinung und Erfahrung nach unbedingt von Anfang an Beachtung finden?

„Wer gerade neu baut oder renoviert, sollte nicht nur die richtige Wärmedämmung oder den altersgerechten Umbau im Blick haben, sondern auch aufeinander abgestimmte technische Sicherungsmaßnahmen von Anfang an mit einplanen – also einen mechanischen Einbruchschutz aus einem Guss. Denn in der Regel ist es günstiger, die geeignete Sicherungstechnik sofort einzubauen, als später unter Umständen aufwändig nachzurüsten. Bei Neu- und Umbauten erhält man durch den Einbau geprüfter und zertifizierter einbruchhemmender Türen und Fenster nach DIN EN 1627ff. ab der Widerstandsklasse (RC) 2 einen guten Einbruchschutz. Hier ist sichergestellt, dass es in der Gesamtkonstruktion (Türblatt, Zarge, Schloss und Beschlag) keinen Schwachpunkt gibt. Erst als zusätzliche Möglichkeit ist auch an eine Einbruchmeldeanlage oder an Videoüberwachung zu denken.“

Wir bedanken uns bei Herrn Andreas Mayer, Kriminaldirektor der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes, für seine freundlichen und informativen Antworten!

Andreas Mayer
Kriminaldirektor
Geschäftsführer der Zentralen Geschäftsstelle Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Geschäftsstelle Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
c/o Landeskriminalamt Baden-Württemberg
Taubenheimstraße 85
70372 Stuttgart
Telefon: 0711 / 5401 – 2062
E-Mail: info@polizei-beratung.de
www.polizei-beratung.de


Profil der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Sicherheit ist ein essenzielles Grundbedürfnis des Menschen und wesentlicher Bestandteil der Lebensqualität. Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes, mit der Zentralen Geschäftsstelle in Stuttgart-Bad Cannstatt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, über die verschiedenen Formen von Kriminalität zu informieren und aufzuzeigen, wie diese verhindert werden können. Sie ist eine Institution der Innenministerkonferenz und veröffentlicht bundesweit Medien wie Broschüren, Filme und PC-Spiele. Neben entsprechender Öffentlichkeitsarbeit entwickelt die Polizeiliche Kriminalprävention themen- und zielgruppenspezifische Kampagnen. In länderübergreifend finanzierten und konzipierten Projekten geht es u.a. um Gewaltprävention, Internetkriminalität oder Einbruchschutz. Sie richten sich an die unterschiedlichsten Zielgruppen – von Lehrkräften über Gewerbetreibende bis hin zu Journalisten. Aktuelle Handlungsfelder sind der Kinderschutz mit der Broschüre „Missbrauch verhindern!“ oder die Kampagne für mehr Einbruchschutz K-EINBRUCH. Seit über 40 Jahren ist die Polizeiliche Kriminalprävention der zentrale Ansprechpartner für alle Fragen der Kriminalprävention. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.polizei-beratung.de.

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